Stimmt etwas nicht mit mir, wenn ich gerne tagelang meine Wohnung nicht verlasse, weil Rückzug mir gut tut?

Dieses Wochenende hat es mir wieder gezeigt, zu viele Termine und Treffen mit anderen kosten mich extrem viel Energie, egal wie schön es auch sein mag.

Ich war Freitag Abend auswärts essen, den ganzen Samstag überhaupt in einer anderen Stadt und Sonntag Vormittag bis Nachmittag wieder auswärts frühstücken. Immer alles mit lieben Menschen, die ich sehr gerne treffe und alles auch Locations, die ich mag.

 

Dennoch, ich brauche ganz viel Zeit für mich, Rückzug ist mein Schlüsselwort, wenn es darum geht, in meiner Kraft zu bleiben.

 

Wie ist das bei dir?

Kennst du dein optimales Verhältnis von Rückzug und Socializing?

Das ist natürlich völlig individuell, für jeden anders, doch ich halte es für wichtig, dich selbst mal zu fragen, ob du deinen Alltag nach deinen persönlichen Bedürfnissen gestaltest, oder ob du noch „gelebt wirst“, und es eben so machst, wie du oder unsere Gesellschaft denken, dass es sein muss.

Oh mein Gott, sehr lange dachte ich, dass mit mir eben was nicht stimmt, weil mir mein Rückzug immer schon heilig war. Dennoch habe ich auch viel zu lange nicht nach meinem Gefühl gelebt, sondern mich an das angepasst, was eben so als üblich und normal angesehen wird. Und das war, wie du dir sicher denken kannst, meist oder eigentlich immer: zu viel!

Täglich nach der Arbeit noch mit Kolleginnen was trinken gehen? Für mich immer unvorstellbar, wie sowas geht- denn nach einem Arbeitstag inkl. Anfahrt ins Büro wollte ich ganz oft nur noch eins: nach Hause! Unter der Woche abends mit Freunden treffen und was unternehmen, eine schöne Sache, aber sowas endete bei mir meist mit völliger Übermüdung, die sich auch durch Schüttelfrost und aufkommendes Kränkeln äußerte, weil es mich einfach alles kostet, 15 oder 16 Stunden am Stück außer Haus zu sein. Am Wochenende von einem Termin zum nächsten und vielleicht zusätzlich noch ein paar Stunden im lauten, menschenüberlaufenen Einkaufszentrum herumspazieren- not for me, please.

Natürlich war das alles ein Lernprozess, ich hab mir all das über Jahrzehnte zugemutet und mir immer Vorwürfe gemacht, dass ich zu schwach bin und nichts aushalte. Doch heute weiß ich einfach, dass ich eben so ticke, dass ich u.a. hochsensibel bin (was jetzt hier gar nicht unser Thema sein soll) und einfach Rückzug brauche, wie die Luft zum Atmen, und dass das auch völlig ok ist.

Lebe DEINEN Alltag, nicht den der Gesellschaft

Denn das einzige, das nicht in Ordnung ist und wo ich sage, dass es angebracht ist, dich zu fragen, was mit dir nicht stimmt ist, wenn du dein Leben lang ständig gegen dich selbst arbeitest, um dich an gesellschaftliche Strukturen anzupassen. DAS ist in meinen Augen nicht normal, zumindest ist es ungesund und ein schrecklicher Akt der Selbstzerstörung, zumindest weit weg von Selbstliebe.

 

Heute kann ich mir erlauben meine Wohnung gelegentlich tagelang nicht zu verlassen, wenn mir gerade danach ist, und wenn es dann aber passt, liebe ich es, mich mit Menschen zu treffen, tiefgründige Gespräche zu führen oder einfach nur mal Spaß zu haben, einen ausgiebigen Spaziergang zu machen oder was auch immer ansteht. Soll heißen, ich bin weit weg von einsam und auch weit weg von dem allseits gefürchteten „abnormal“, und trotzdem achte ich meine Bedürfnisse mehr als je zuvor.

Ein Lebensstil, der dir gerecht wird, ist möglich. DAS ist meine heutige Message für dich. Lass all diese Bedenken los, dass andere irgendwelche Bewertungen über dich haben könnten, wenn du deinen Alltag nicht so gestaltest, wie sie, dass du keine Freunde mehr haben könntest, wenn du nicht bei jeder Party und jedem Unternehmungsvorschlag laut JA rufst und sofort dabei bist und vor allem bleib im Vertrauen, dass dein Innerstes weiß, was du brauchst, was gut für dich ist und dass dein Körper dir das auch deutlich anzeigt.

Ein Hoch auf das optimale Verhältnis von Rückzug und Socializing

In diesem Sinne freue ich mich nach einem sehr ereignisreichen und für mich auch anstrengenden Wochenende auf den heutigen Homeoffice-Arbeitstag, den ich nach einer ausgiebigen Körperpflegesession später ganz mit Ruhe beginnen werde, und vielleicht gehe ich nachmittags sogar für einen Spaziergang und zwecks Einkaufen aus dem Haus, und wenn ich keine Lust dazu habe, werde ich Rückzug und meine Wohnung genießen 🙂

Und mein Learning: Meine eigentlich schon als sehr fix etablierten Regeln für die Terminplanung werde ich so schnell nicht mehr brechen, denn ich will auch nicht mal einmal im Monat so sehr über meine Grenzen gehen, dass ich mich danach müde und ausgelaugt fühle. Deshalb ab sofort wieder maximal ein verplanter Wochenendtag, und wenn wir Samstag was vorhaben, Freitag Abend keine Unternehmung 🙂

Wie bewusst planst du, um deine Bedürfnisse zu wahren?

 

Alles Liebe,

 

Claudia

0 Comments